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01.06.18 - 01.09.18

Wie orientieren wir uns in einer globalisierten Welt, die zunehmend durch Grenzen bestimmt wird?

Die diesjährige Sommerausstellung Border Matters im CCA Andratx, die Arbeiten von Claus und Susanne Rottenbacher zeigt, präsentiert sich als theatrale Bühne, die die Betrachtenden mit sowohl historischen als auch zeitgenössischen Fragestellungen zu Grenzen konfrontiert. Mit Licht als von beiden Künstlern eingesetztes Medium wird der Fokus insbesondere auf schwer greifbare Grenzen geworfen, seien es geopolitische Spannungen in Gibraltar oder die sensorische Wahrnehmung körperlicher Präsenz im Raum. Border Matters reflektiert dabei gegenwärtige Vorstellungen von Grenzen, physisch wie konzeptionell, aus verschiedenen Perspektiven, die den Schwellenzustand einer Vorahnung thematisieren. Die aktuelle Ausstellung setzt sich aus zwei individuellen Projekten zusammen:

Claus Rottenbacher untersucht in seiner photographischen Serie Non Plus Ultra die Transzendenz Gibraltars als in Stein gehauenes Zeugnis einer brutalistischen Grenze zwischen Großbritannien und Spanien. Die Aufnahmen entstanden 2016 – weltpolitisch gesehen ein Jahr drastischer Einschnitte von Brexit bis zur Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten von Amerika – und zeugen auch heute von anhaltenden Spannungen. „Mit Licht zeichnend“, wie die etymologisch Wurzeln von „Photographie“ herleiten lassen, schafft Claus Rottenbacher zeitgenössische tableaux vivants – die menschenleeren Bilder sind dennoch durchgehend von zivilisatorischer Präsenz gekennzeichnet, die beispielsweise in architektonischen Interventionen in der kargen Landschaft einen Ausdruck findet. Darüber hinaus wird der wiederkehrende Berg zu einem Hauptprotagonisten in diesen Momentaufnahmen. Diesen Moment des stillstehenden Dazwischen, der Augenblick indem sich die Linse der Kamera öffnet und schließt, reflektiert in den Arbeiten von Claus Rottenbacher einen Bewusstseinszustand in dem wir uns – auch heute noch – zögernd, hin und her gerissen oder widerwillig befinden.

Auf der anderen Seite, bringt Border Matters auch eine Selbstbeobachtung mit sich, bei der das Bewusstsein um die eigenen physischen Grenzen und die Positionierung in einer sich stets verändernden Umwelt exerziert werden. Dies kann als Spiel mit der Vorstellung einer vermeintlich Publikum und Schauspielende trennenden „vierten Wand“ im Theater verstanden werden – möglicherweise eine weitere Grenze zeigt, die nicht mehr von Bedeutung ist. Mit einem professionellen Hintergrund als Bühnenbildnerin setzt Susanne Rottenbacher in der Kunsthalle des CCA Licht als matter, als Gegenstand der Betrachtung, in Szene, und lädt zu einer leuchtenden Reflexion ein. Ihre 10 x 10 x 4m große Lichtinstallation Disassembly führt einen phantasmagorischen Kosmos von Licht als anhaltende Explosion auf. Die Fixierung dieser Bewegung, wie in einem stroboskopischen Blitzlicht, eröffnet wiederum neue Perspektiven auf Be- und Abgrenzungen und unser Bewusstsein darüber wie wir uns permanent durch solche Grenzen bestimmen – während wir uns mit einer stetigen Ungewissheit auf der Reise ins Unbekannte befinden.

Wie orientieren wir uns in einer globalisierten Welt, die zunehmend durch Grenzen bestimmt wird, ließe sich erneut fragen... Wir finden Orientierungspunkte, so wie die Sonne und die Berge, die einstmals Seefahrenden dienten, um neue Gebiete zu entdecken und erobern. Der Legende nach hieß es „non plus ultra“, bis hierhin und „nicht mehr weiter“ auf den Säulen des Herakles, den Felsen, die die Straße von Gibraltar formen. Mit der Teilung des Gebirges zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Mittelmeer entstand dabei schließlich auch die Möglichkeit neuer Verbindungen. Auch nach über 500 Jahren, die das spanische Landeswappen das entsprechende Motto „Plus Ultra“ trägt, wissen wir immer noch nicht mit Sicherheit was auf uns zukommt.

Ausstellungsgestaltung und Konzept von Frank Hauschildt, Künstler und Kurator, Berlin

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