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01.06.18 - 01.09.18

Susanne Rottenbacher erschafft für ihre neue Serie Commedia della Luce erstmals abstrakte theatrale Charaktere aus Licht. Während vergangene Arbeiten der Berliner Künstlerin ephemere Phänomene wie Gespräch oder Tanz visualisieren, ist nun das Figurenspektrum der italienischen Commedia dell'arte des 16.-18. Jahrhunderts impulsgebend für neue Arbeiten, die – ebenfalls eine Premiere – als Wandarbeiten im Raum erscheinen. Unmittelbare Inspiration für Susanne Rottenbacher sind die Masques et bouffons (comédie italienne) (1860), eine großangelegte Studie der Figuren der Commedia dell'Arte von Maurice Sand, dem Sohn George Sands.

Den Anfang der Serie Commedia della Luce macht der Harlequino (2016, 115 x 105 x 50 cm) – eine hypnotisch formulierte Komposition aus dynamischen violetten Schwüngen und energischen gelben Linien aus Licht: verspielt und kraftvoll, und stark genug, um einen ganzen Raum in Schwingung zu versetzen – ebenso wie es der Harlekin vermag, mit seiner Oszillation zwischen Gut und Böse, Komik und Tragik, die Erzählung zum vibrieren zu bringen. Die Verortung der Figur im Kontext des fahrenden Volks, der Gauklern und Akrobaten, erklärt die eigentümliche Wirkung einer Schraubfeder, die jederzeit zum Sprung bereit ist. Ebenso entwickelt Susanne Rottenbacher skulpturale Entsprechungen der stilisierten Charaktere des Pantalone, eines älteren wohlhabenden Kaufmanns, des Dottore, Zanni und Pierrot. So ist letztere Figur in musischen, tänzerischen Schwüngen umgesetzt, die in Kontrast zur unregelmäßigen und kantigen Formensprache der Skulptur des Zanni stehen. Die Poesie und Beweglichkeit des Lichts in Analogie zu Klang und tänzerischer Choreographie ist bezeichnend für das Oeuvre der Künstlerin.

Susanne Rottenbachers künstlerischer Blick wird von ihrer Faszination für zeitgenössischen Tanz und klassische Musik geprägt – ihre langjährige Tätigkeit als Bü̈hnenbildnerin u.a. an der Deutschen Oper entwickelte ihre außerordentliche Fähigkeit, Räume jeden Formats umfassend zu begreifen und mit minimalen Formen radikal zu verändern bzw. neu herzustellen. Räume mit Licht statt mit Materie zu füllen interessiert die Künstlerin nachhaltig. Stets denkt sie im und mit dem Raum. Denn ihre Faszination für Raum markiert den Beginn ihrer Beschäftigung mit Licht; und der Drang, eigene Narrative in Raum und Licht umzusetzen brachte sie vom Bühnenbild zur Freien Kunst.

LED-Licht wird in den Werken Susanne Rottenbachers technisch virtuos in transparente Materialien wie Acrylglas eingesetzt und in vorgefundene Architektur integriert. Ihre Skulpturen evozieren – oft frei schwebend im Raum – vibrierende Bewegungen, die über die statische Form des Leuchtkörpers hinausgehen. Der Betrachter erahnt in der Komposition die Visualisierung des menschlichen Sichtfelds den Fluss von Wind und Wasser, rhythmische Choreographien und unsere eigene Bewegung im Raum: wir, die Betrachter, wohnen einem Prozess der Bewegung bei. Die hypnotische und ausstrahlende Wirkung der neuen Wandarbeiten bezieht die Umgebung mit ein und reicht bis in den Außenraum – das Werk und sein Rezeptionsfeld wird somit erweitert und gestaltet sich zu jeder Tageszeit dynamisch neu. Dabei mischt die Künstlerin die Farben der Leuchten in einem Spektrum von Modulationen; mit reflektierenden Folien entwickelt sie eine facettenreiche Vielansichtigkeit.

Susanne Rottenbachers Arbeit mit Licht oszilliert stets zwischen Kontrolle und Kontrollverlust; der Kontigenz des künstlichen Materials, sowie der Magie, die im Raum passiert – der ausstrahlenden Wirkung des Lichts und somit der Öffnung der Werke. Die Bewegtheit findet ihren Gegenpol in der meditativen Komponente des Lichts, die beispielsweise der reduzierten Farbfeldmalerei Rothkos zu eigen ist – besonders das Kastenformat Susanne Rottenbachers früher Lichtarbeiten weckt Assoziationen zum mittelalterlichen Tafel- und Andachtsbild. Kunsthistorische Assoziationen reichen weiter von Lucio Fontanas Ambiente Spaziale und Dan Flavins ikonische Leuchtstoffröhren bis hin zu Toulouse-Lautrecs' Skizzen von Loie Fullers Dance of the Veils im Folies Bergere: es handelt sich um eine der ersten Darstellungen elektrischen Lichts im Bühnenkontext. Als Materie und Energie bestimmt elektrisches Licht die Gestalt der modernen Welt, und fasziniert seit seiner Erfindung zu Beginn des letzten Jahrhunderts auch Künstler als gestalterisches Material. So kann die Leuchtstoffröhre als minimale Form ästhetisch für sich stehen, oder raumgreifend jene hypnotische Wirkung entfalten, die sie auch in der Commedia della Luce bekommt.

Susanne Rottenbachers neuen Wandarbeiten visualisieren physisch und metaphysisch zugleich emotionale Bewegungen und Befindlichkeiten, sowie die grundlegende Verortung der dramatis personae. Charismatischen Personen wird Ausstrahlung nachgesagt, eine nicht greifbare Motivation, Gabe oder Erleuchtung – es ist diese Emanation, welche die Künstlerin ihren neuen Arbeiten beschreibt. Stereotype menschliche Eigenschaften, derer sich die Commedia dell’arte bedient, werden in Licht gegossen universal und zeitlos. Die Commedia della Luce macht feinste psychologische Formen sichtbar und befindet sich in ständiger Transformation – nie wirkt eine ihrer Figuren an zwei Orten gleich. Dies ermöglicht es jedem Betrachter, die Skulpturen immer wieder neu zu sehen und zu begreifen, und eigene Erzählungen im Raum zu erschaffen. Susanne Rottenbachers aufwendige Kompositionen entfalten eine faszinierende und vielschichtige Wirkung: sie bilden Bühnen und formen Protagonisten für neue Realitäten und verändern unseren Blick auf den Raum, in dem wir uns bewegen, radikal.

Text: Celina Basra

01.05.18 - 08.07.18

STUDIO SPRING: R. Danielsson, A. Passero, M. Poppe, C. Schulz

This spring we are pleased to present new works from the studios by Robin Danielsson (SE), Aurora Passero (NO), Martine Poppe (NO) and Christine Schulz (DE). All works on display have been created during their one months residency at the CCA Studios.

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